Sektion II
Dr. Michael Staiger (PH Freiburg, Fach Deutsch)
Montagekonzepte in der Geschichte des internationalen Spielfilms
Wsewolod I. Pudowkin bezeichnete die Filmmontage bereits 1928 als die „Grundlage der Filmkunst“ und die „Schöpferin der filmischen Wirklichkeit“. In zahlreichen Filmtheorien nimmt die Montage eine zentrale Stellung ein, weil sie für die Konstruktion des filmischen Raums und der filmischen Zeit konstitutiv ist. Schon früh entwickelte Montageregeln wie das Continuity-System Hollywoods wurden immer wieder mit experimentellen Formen kontrastiert. So lässt sich Filmmontage als ein fortlaufender, kreativer Entwicklungsprozess beschreiben, in dem das Experimentelle schon bald zum Konventionellen werden kann: Waren Jump Cuts und Achsensprünge bei Godard in den 1960er Jahren noch revolutionär, werden sie heute oft nicht mehr bewusst wahrgenommen.
Mit dem Wandel der Montage verändert sich also auch die Filmrezeption und nicht zuletzt die Filmsozialisation. Eine Auseinandersetzung mit dem historischen Wandel der Filmmontage ist deshalb insbesondere auch aus filmdidaktischer Perspektive unerlässlich. Der Vortrag unternimmt eine Zeitreise durch die Filmgeschichte und stellt einige Entwicklungslinien und Konzepte der filmischen Montage vor. Begonnen wird mit der „Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“ der Gebrüder Lumière aus dem Jahr 1895, weitere Stationen sind Eisensteins „intellektuelle Montage“, das klassische Hollywood-Kino und die Montageexperimente der Neuen Kino-Wellen. Dass die Entwicklung der Filmmontage noch lange nicht an ihrem Ende angelangt ist, zeigt ein Blick in die Gegenwart am Beispiel von „Das Bourne Ultimatum“ (2007) von Paul Greengrass.
Dr. Michael Staiger promovierte mit der Arbeit „Deutschdidaktik als Medienkulturdidaktik“ und ist seit 2005 Akademischer Rat am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Pädagogischen Hochschule Freiburg und ist seit 2005 Akademischer Rat am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Pädagogischen Hochschule Freiburg

