Symposium
über den Kongress
Filmpreis
Abschlusspresseerklärung
Kolloquium
Tagung
Vom Kino lernen.

Einführungsvortrag

Prof. Dr. Ulf Abraham (Uni Bamberg, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur)
Filmkanon als Spiegel einer Filmgeschichte?

Kanonprobleme sind in der Literaturdidaktik alte Bekannte. So ist es kaum überraschend, dass mit der Entdeckung des Films als Bildungsthema eine neue Kanondiskussion einhergeht. Je mehr Filmtitel über die 35 vieldiskutierten des bpb-Kanons hinaus erwogen werden, desto besser wird sich klären, was eigentlich ein Filmkanon nicht nur allgemein für das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft, sondern speziell für die Schule leisten soll. In der aktuellen Entwicklung von Bildungsstandards für Schule und Hochschule wäre es ein unverzeihliches historisches Versäumnis, Filmgeschichte in der Schule zu vernachlässigen. Dabei kann es nicht nur um die Kenntnis wichtiger Titel der Filmgeschichte gehen, denn: Nur wer Filme kennt, versteht Film. Die Vermittlung von Rezeptions- und Produktionskompetenzen lässt sich nicht ohne Wolle stricken. Die „klassischen“ Referenzobjekte zu kennen heißt, nicht nur filmgeschichtliche Bildung zu erwerben, sondern Genussfähigkeit in Bezug auf neue Filme zu steigern. Das Fach Deutsch hat daher die Aufgabe, Filmanalyse – wie sie aus guten Gründen auch in anderen Fächern stattfindet – zur Interpretation hin fortzuführen. Ein Filmkanon als Rahmen für eine solche Filmunterrichtskultur ist uns willkommen und unverzichtbar. Ein Spiegel der Filmgeschichte wird er nur bedingt sein; denn nicht alles, was im Speichergedächtnis einer Kultur ist – sagt Jan Assmann – wird auch ins Funktionsgedächtnis zu holen sein.
Ulf Abraham ist Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der Deutschen Sprachen und Literatur an der Universität Bamberg, 1. Vorsitzender des Symposion Deutschdidaktik e.V. und Mitherausgeber der Zeitschrift Praxis Deutsch. Anfang 2009 erscheint Filme im Deutschunterricht bei Kallmeyer.