Abschlussvortrag
Prof. Dr. Matthis Kepser (Uni Bremen, Didaktik der deutschen Sprache, Literatur und Medien) Spielfilmvermittlung – ein integraler Bestandteil schulischer Bildung!?
Seitdem die Bundeszentrale für politische Bildung 2003 auf erhebliche Defizite in der schulischen Filmbildung hingewiesen hat, ist einiges geschehen: In neuen Lehr- und Bildungsplänen wird dem Film wesentlich mehr Platz eingeräumt. Einige Fachdidaktiken forschen seit etwa fünf Jahren intensiv an einer Filmdidaktik für den Regelunterricht. Dass Filmbildung ein integraler Bestandteil schulischer Bildung sein soll, zweifelt heute keiner mehr ernsthaft an.
Dieser Aufbruch kann freilich nicht verdecken, dass noch zahlreiche Probleme ungelöst sind. So weiß man aus der Lehrplanforschung, dass neue Anforderungen in der Praxis häufig schlicht ignoriert werden. Welche filmbezogene Kompetenzen auf welchem Niveau erwartet werden dürfen und welche Standards dafür gesetzt werden sollten, ist noch wenig erforscht. Verschiedene didaktische Paradigmen konkurrieren miteinander. Welcher Fokus von welchem Fach betont werden soll, ist ungeklärt und ebenso, wie die Fächer zusammenarbeiten müssten. Auch das Verhältnis von schulischer und außerschulischer Filmbildung muss noch stärker konturiert werden. Umstritten ist, ob der Kinofilm und das Kino im Mittelpunkt stehen sollen oder der Film mit seinen verschiedenen Rezeptionsorten als Ganzes. Last not least konzentrieren sich viele inhaltliche und methodische Bemühungen lediglich auf eine gymnasiale Klientel.
Der abschließende Vortrag zieht kritisch Bilanz und gibt Ausblicke in die Zukunft.
Prof. Dr. Matthis Kepser, geb. 1960, studierte Psychologie, Philosophie und Germanistik an den Universitäten München, Eichstätt und Tübingen für das Lehramt an Gymnasien. Seit 2004 hat er die Professur für die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur unter Einschluss der schulbezogenen Medienwissenschaft an der Universität Bremen inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Literaturdidaktik, der Neuen Medien und des Films.

