The Exorcist
(Der Exorzist) USA 1973 /Version 2008, Regie: William Friedkin, mit Ellen Burstyn, Max von Sydow, Linda Blair, 134 Min., OF
In einer Kirche wird eine Marienstatue auf obszöne Weise entstellt, und im Haus der Schauspielerin Chris MacNeil geschehen plötzlich merkwürdige Dinge. Das Bett von Chris’ 12-jähriger Tochter Regan wird nachts von unsichtbaren Kräften gerüttelt und Regans Gesicht verzieht sich zu einer Schleim spuckenden Fratze. Als medizinische Untersuchungen keine Befunde erbringen, bittet Chris zwei Jesuitenpater um eine Teufelsaustreibung.
Schreiend verließen 1973 amerikanische Besucher die Kinos, aber der Film brach nahezu alle Besucherrekorde. »Der Exorzist« polarisierte das Publikum: War es nur ein »B-Movie erster Güte« (taz) oder verdiente er das Prädikat »besonders wertvoll« der Deutsche Filmbewertungsstelle? Diese sah den Erfolg des »beachtlichen Kinospektakels« beim Zuschauer als Ergebnis einer angstbedingten Unsicherheit. Gesellschaftliche, poltische und ökonomische Ursachen wie Vietnam, Watergate, Hell’s Angels und Charles Manson hatten die USA verunsichert. Friedkin, den damals die zeitaktuellen Aspekte mehr interessierten als die tiefkatholische, metaphysische Diskussion um Gut und Böse, die das Hauptaugenmerk von William Peter Blattys Romanvorlage war, griff diese Gefühle auf.
Die neu eingefügten Sequenzen der in Amerika nie als »Director‘s Cut« apostrophierten Neuauflage von 2008 (Vermarktung mit »Version you haven‘t seen before«) verstärken für Thomas Willman jetzt aber eine Tendenz, die Sicht des Films in eine andere Richtung zu lenken: »Verstärkt wird der Konflikt zwischen (hilfloser) Wissenschaft und (wiederzufindendem) Glauben. Und viel deutlicher wird das Böse zur wahrhaft übernatürlichen Macht von außen.« (www.artchock.de) Damit scheint »The Exorcist« wieder ein Film für seine Zeit geworden – ein Spiegel des neokonservativen Staats mit christlich-fundamentalistischen Ambitionen, wie es sich derzeit in den USA abzeichnet.
SA 17.1. | 22:00 im Kino 46

