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MX 1952/53, Regie: Luis Buñuel, mit Arturo de Córdova, Delia Garcés, Aurora Walker, 92 Min., OmengU
»Er« ist ein kultivierter Großbürger mittleren Alters, gut gekleidet, katholisch, angepasst, angesehen. Tatsächlich ist er eher ein egozentrischer Gentleman-Psychopath altspanischer Schule, für den Frauen Huren oder Engel sind. Seine verborgene Seite ist getrieben von einer pervertierten Liebe und unbedingtem Besitzanspruch. Die Gattin wird mit der Eifersucht eines Irren traktiert, und seine Form der Liebe bewegt sich im Spannungsverhältnis zwischen Masochismus und Sadismus. Doch statt ihn, als es drauf ankommt, zu entlarven, stellt sich die bürgerliche katholische Welt, vertreten durch seine Schwiegermutter und den Priester, schützend hinter ihn.
Ein interessanter Perspektivwechsel bestimmt den Film: Verfolgt der Zuschauer das Geschehen anfangs noch mit den Augen des Ehemannes, so distanziert er sich im Laufe des Filmes mehr und mehr von ihm, um es nun aus der Perspektive der Frau wahrzunehmen. Den gespaltenen Charakter zeigt Buñuel mal als Täter, der sein Opfer verdinglicht. Dann selbst zum Opfer geworden, von Wahn in Wahnsinn verfallend, durch die verinnerlichte bürgerliche Welt, die das Gitter seines Käfigs bildet. So entsteht zugleich ein Film über die Psychopathologie des bürgerlichen Alltags, wie parallel dazu das facettenreiche Porträt eines Paranoikers, über den Buñuel sagt: »Ich habe ihn studiert wie ein Insekt«.
Alain Bergala hat dem vielfältigen Werk von Luis Buñuel seine jüngste Publikation gewidmet.
FR 16.1. | 20:00 im Kino 46

