Bilder denken!
Filmanalyse als kulturtheoretisches Konzept
Ob in der Geschichts- oder in der Literaturwissenschaft, ob in der Kultur- oder in der Sozialwissenschaft: In allen Bereichen der Humanwissenschaften ist die Auseinandersetzung mit audiovisuellen Bildern längst ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Ob man sich mit Fragen der Politik oder des gesellschaftlichen Lebens, der Kunst oder der Unterhaltung beschäftigt, ein Verständnis unseres Zusammenlebens scheint ein Verständnis der medialen Inszenierungsweisen audiovisueller Bilder vorauszusetzen.
Eben dies bezeichnet das Schnittfeld, in dem sich Medienwissenschaft heute bewegt, wenn sie sich auf die Methoden der Analyse audiovisueller Bilder bezieht. So sehr sich diese Methoden aus der Beschäftigung mit den speziellen Ausdrucksformen audiovisueller Kunst und Unterhaltungsformen speisen, bezeichnen sie in einer medialen, vom audiovisuellen Bild geprägten Welt ein grundlegendes Instrumentarium theoretischen Denkens. Die Auseinandersetzung mit den neuen und alten Formen der Filmkunst und des Unterhaltungskinos stellt in dieser Perspektive den Nukleus eines sich immer weiter ausdifferenzierenden Verständnisses für das Denken der Bilder dar.
Hermann Kappelhoff ist Professor für Film- und Mediengeschichte und Medientheorie am Seminar für Filmwissenschaft der Freien Universität Berlin. Er leitet seit 2008 das Projekt »Affektmobilisierung und mediale Kriegsinszenierung« (Exzellenzcluster »Languages of Emotion«) und seit 2007 das Teilprojekt »Die Politik des Ästhetischen im westeuropäischen Kino« des Sonderforschungsbereich »Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste«.
Publikationen: »Matrix der Gefühle. Das Kino, das Melodrama und das Theater der Empfindsamkeit« (Berlin 2004); »Blick Macht Gesicht«, hg. mit Bernhard Groß, Helga Gläser (Berlin 2001); »Realismus: Die Politik des Ästhetischen und das Kino« (Berlin 2008).
SO 18.1. | 11:15 im Kino 46

