Film Conference
über den Kongress
Film Prize
Abschlusspresseerklärung
Kolloquium
Tagung
Vom Kino lernen.

Film trägt zur Persönlichkeitsbildung bei


Mehr als 1000 Teilnehmer und Gäste beschäftigten sich beim international besetzten Kongress „Vom Kino lernen.“ in Bremen mit der pädagogischen Vermittlung von Film

Sie kamen aus Frankreich, England, Luxemburg, den USA, Spanien, Österreich, der Schweiz und Portugal, um sich in der Hansestadt Bremen über das Thema Filmbildung auszutauschen. Unter dem Motto „Vom Kino lernen.“ stellten am vergangenen Wochenende internationale und deutsche Filmexperten in verschiedenen Veranstaltungsformaten – 14. Internationales Bremer Symposium zum Film, 3. Kolloquium für NachwuchswissenschaftlerInnen, interdisziplinäre didaktische Tagung, Verleihung des 11. Bremer Filmpreises an die Schauspielerin Nina Hoss, Ausstellung und Filmprogramm - innerhalb des Kongresses neueste Ansätze und Methoden zur Filmbildung vor. Eingeladen hatten das Kino 46, die Universität Bremen und die Bundeszentrale für politische Bildung.

In Europa gibt es derzeit verschiedene Ansätze, Film und Kino als schützenswertes Kulturgut in den schulischen Lehrplan einzubeziehen. Der Kongress setzte das Thema Filmvermittlung in Deutschland auf die Agenda drängender kultureller und bildungspolitischer Fragen. Während sich viele der bisherigen Anstrengungen und Initiativen, insbesondere auch der Bundeszentrale für politische Bildung, um die politische Akzeptanz und organisatorische Machbarkeit der Aufnahme von Filmbildung in den Lehrplan in Deutschland drehten, beleuchtete der Kongress erstmals ausführlich die Frage, wie denn die inhaltliche und methodische Umsetzung aussehen könnte. Fach- und disziplinübergreifend stellte er ganz unterschiedliche Ansätze der Filmvermittlung vor, wie sie in verschiedenen Ländern entwickelt und praktiziert werden. Referenten und Teilnehmer kamen aus Universitäten, Schulen, Filmmuseen, Kinos, Projekten und der Filmbranche. Sie bezeichneten den Kongress als eine neue, gelungene Plattform für die Begegnung der unterschiedlichen Akteure und für den inhaltlichen Austausch.

Film als Kunst


So standen im Kino 46 beim 14. Internationalen Bremer Symposium zum Film mit dem Thema „Filmvermittlung“ drei Aspekte im Zentrum: die Methoden der Vermittlung, der institutionelle Rahmen und der persönlichkeitsbildende Charakter von Film. Vorgestellt wurden unter anderem der in Frankreich entwickelte Ansatz von Film als Kunst. Alain Bergala von der Pariser Filmhochschule Fémis stellte diese Idee vor, die den Film in erster Linie vom Bild her begreift. Während seines Vortrags zeigte er, wie die DVD als Vermittlungsmedium ein vergleichendes Sehen von Filmausschnitten und damit einen nicht-linearen Wissensdiskurs ermöglicht, ähnlich wie im kunsthistorischen Seminar, wo Gemälde mit Diaprojektoren verglichen werden. Die den Kongress begleitende Ausstellung „Kopfkino“ im Kino 46 zeigt den Einfluss des Films auf die Kunst und umgekehrt.
Einen völlig anderen Ansatz präsentierte Cary Bazalgette, die lange Jahre für das British Film Institute tätig war. In England unterrichtet man Film im Rahmen eines allgemeinen Konzeptes der „Literacy“, also als Teil des Spracherwerbs. Film wird hier als eine weitere „Textsorte“ gesehen. Und schließlich zeigte Marc Ries von der HGB Leipzig, dass das Kino auch ein Ort der musikalischen Erziehung sein kann. Er thematisierte anschaulich die bei der Filmvermittlung häufig vernachlässigten Ebenen von Ton und Klang und stellte einen musik-philosophischen Ansatz vor, der Film vornehmlich von der Seite des Hörens angeht.

Institutionelle Ansätze der Filmvermittlung


Außerdem diskutierten die rund 900 Teilnehmer des Symposiums die unterschiedlichen institutionellen Horizonte der Filmvermittlung: Kinematheken, Filmmuseen aber auch Kommunalkinos sind Einrichtungen, die sich mit dem kulturellen Erbe des Films befassen. So wie Museen und Bibliotheken für die Objekt- und Textwelten zuständig sind, befassen sich diese Institutionen des Kinos mit dem Sammeln, Restaurieren, Erforschen und Vermitteln des Films. Aus ihrer Position heraus haben sie Ansätze der Vermittlung des Films und des filmkulturellen Erbes entwickelt, die neben der pädagogischen Arbeit auch Aspekte des Programmierens und Kuratierens umfassen. Nathalie Bourgeois von der Cinémathèque Française präsentierte spezifische Programme für Kinder, in denen die Kinder selbst zu Filmemachern werden und so die Verfahren des Films, seine Ästhetik spielerisch erlernen.
Einen ganz anderen Ansatz skizzierte Michael Loebenstein vom Österreichischen Filmmuseum Wien. Ihm ging es um Film als zeithistorisches Dokument und um die mit der Vermittlungsarbeit einhergehende Formierung von Öffentlichkeit. Er stellte dieses Thema an dokumentarischem Filmmaterial aus dem Jahr 1938 dar. Ergänzt wurde dieser Vortrag von Dominique Tschütscher (ebenfalls Österr. Filmmuseum), der ein konkretes Modul zur Filmvermittlung für Schüler im Kino vorstellte, bei dem die Dimensionen von Ton und Klang des Films im Zentrum stehen. Begleitet wurde er vom Pianisten Gerhard Gruber.

Der filmvermittelnde Film


Neben den Positionen der Filmmuseen waren auch jüngere Initiativen vertreten, wie z.B. der Verein Entuziazm e.V., der in seiner Arbeit zur Filmvermittlung ein ganz eigenes Filmgenre entdeckt hat: den filmvermittelnden Film. Das sind Filme über Filme, die seit den 1960er Jahren oftmals mit Unterstützung des Fernsehens produziert wurden. Eine andere Initiative ist das Schulfilmprojekt „Cinema en curs“ aus Barcelona, das das kunstpädagogische Potential der kreativen Filmarbeit ins Zentrum stellt und mit Schülern und Jugendlichen Filme dreht. Beide Projekte stellten ihre Arbeit an anschaulichen Filmbeispielen vor.

Filmforschung und Lehrerausbildung


Die Universitäten nehmen in der Regel eine etwas andere Perspektive zur Filmvermittlung ein. Ihnen ist der Film in erster Linie ein Gegenstand von Forschung und Lehre. Gleichwohl gibt es einige Überschneidungen, so z.B. die Tradition der universitären Kino-Clubs, das Anlegen von universitätseigenen Filmarchiven usw. Die Universitäten haben aus ihrer Arbeit heraus meist implizite Ansätze der Vermittlung entwickelt – implizit auch deshalb, weil es bisher keine Filmlehrerausbildung gibt. Peter Decherney aus Pennsylvania berichtete in diesem Kontext von den Beziehungen zwischen Hollywood und den Universitäten in den USA als einer Hass-Liebe, die nicht zuletzt eine lange Geschichte des unterstellten Copyright-Missbrauchs aufweist. Auf dieser wissenschaftlichen Basis haben sich an den Universitäten auch spezifische Studiengänge entwickelt, in denen Filmvermittlung eine Rolle spielt, so z.B. in einem Programm an der Université Paris III, an dem Alain Bergala beteiligt ist, oder aber auch an der Universität Bremen am Institut für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik. An der Universität Bremen wird bereits seit Jahren eine integrierte Film- und Medienwissenschaft gelehrt, die sich auch der Vermittlung widmet. Und Winfried Pauleit von der Universität Bremen legte aus seinem Arbeitsfeld die persönlichkeitsbildenden Aspekte der Filmvermittlung dar. Als ihre zentralen Aufgaben stellte er die Differenzerfahrung durch Film, das Aufschieben von Identitätsbildung, und die Möglichkeiten der Selbstbildung heraus.

Für diejenigen, die nicht am Symposium teilnehmen konnten: Die Beiträge der internationalen Referenten erscheinen Ende des Jahres in einer deutsch-englischen Publikation im Verlag Beertz.

Film als Teil schulischer Bildung


Bei der anschließenden didaktischen Tagung im Haus der Wissenschaft beschäftigten sich die 120 Teilnehmer in vertiefenden Workshops und Vorträgen mit drei Themenschwerpunkten. Im ersten ging es um die Frage nach Sinn, Funktion und Vermittlungsformen eines schulischen Filmkanons. Der zweite inhaltliche Schwerpunkt umfasste die Entwicklung filmischer Techniken als Teil der Filmbildung und das dritte Thema drehte sich um Fragen nach der Vermittlung filmästhetischer Kompetenzen. In moderierten Werkstätten wurden darüber hinaus Methoden zur Filmarbeit im Regelunterricht erforscht. Zu den Referenten zählten unter anderem Ulf Abraham, Universität Bamberg, dessen Buch „Filme im Deutschunterricht“ in diesem Jahr erscheint. Martin Leubner, Universität Potsdam, beschäftigte sich mit der Auswahl von Filmen im Unterricht. Klaus Maiwald beleuchtete das Thema Filmästhetik als Aufgabe und Potenzial ästhetischer Bildung. Sabine Blum-Pfingstl, Universität Würzburg, hingegen hatte ihre Werkstatt ganz praktisch angelegt und stellte Konzepte und Beispiele vor, die im praktisch-reflexiven Umgang mit historischen und mit zeitgenössischen Werken den Zugang zum Film ermöglichen. Und schließlich befasste Matthis Kepser, Universität Bremen, sich kritisch mit der Frage, in welchem Fach und in welcher Schulstufe die Beschäftigung mit Film denn überhaupt sinnvoll sei.

Ausblick: Das Bremer Programm zur Filmvermittlung 2009


Dass Bremen seine Vorreiterrolle in Sachen Filmvermittlung ernst nimmt, zeigen die weiteren Aktivitäten für 2009. Die nächste Veranstaltung zum Thema Filmbildung findet in Bremen bereits im Februar statt, wenn das von der AG Kino-Gilde und der französischen Botschaft veranstaltete französische Jugendfilmfestival Cinéfête 9 im Rahmen seiner Deutschlandtour im Kino 46 und anderen Bremer Kinos zu Gast ist. Das Institut français wird in seinen Räumen dazu eine vorbereitende Lehrerfortbildung veranstalten. Im März geht es weiter mit der inzwischen 4. SchulKinoWoche im Bundesland Bremen - organisiert vom Kino 46 und dem Bundespartner Vision Kino – für alle Schulen, mit allen Kinos und mit Begleitseminaren. Nach gut zwei Wochen Anmeldephase kann Projektleiter Alfred Tews vom Kino 46 bereits jetzt 6000 Anmeldungen verkünden, sodass das Rekordergebnis 2008 mit 12000 Teilnehmern wohl übertroffen werden wird. Auch Winfried Pauleit von der Universität Bremen bleibt beim Thema: Er wird im Juni bei der internationalen Tagung des „Networks of European Cinema and Media Studies“ (necs) in Lund, Schweden, ein international besetztes Panel zum Thema "Filmvermittlung" (film educatiuon and public outreach) leiten.

Veranstalter:
Kino 46/Kommunalkino Bremen
Universität Bremen
Bundeszentrale für politische Bildung
Kunst- und Kultur-Stiftung der Sparkasse Bremen

Wir danken allen Förderern:
Der Senator für Kultur der Freien Hansestadt Bremen, nordmedia Fonds GmbH Niedersaches/Bremen, Landeszentrale für politische Bildung Bremen, Landesinstitut für Schule Bremen, Institut français de Brême, Instituto Cervantes Bremen, Verein zur Förderung der Film- und Medienkultur e.V., Best Western Hotel Schaper-Siedenburg

Medienpartner:
nordwestradio

Impressum:
V.i.S.d.P.: Prof. Dr. Winfried Pauleit
Institut für Kunstwissenschaft / Kunstpädagogik, Fachbereich 09 Bibliothekstraße 1, Gebäude GW2, Raum B 3930 • 28359 Bremen Telefon (0421) 218 - 67720 • E-Mail: pauleit(at)uni-bremen.de

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